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Presseartikel

 
Samstag, 21. Aug 2021

Ruggeller Riet speichert 95 000 Tonnen CO2 – noch

Umwelt Die Menge an potenziell freisetzbarem CO2 im grössten Naturschutzgebiet des Landes ist beachtlich, teilte das Umweltministerium mit. Es bezieht sich dabei auf einen Bericht des Amts für Umwelt über die mögliche CO2-Einsparleistung des Riets.


Das Ruggeller Riet ist in keinem guten Zustand. Umgeben von landwirtschaftlichen Flächen, hat es seit Jahrzehnten mit Überdüngung und Austrocknung zu kämpfen. Das könnte auch fürs Klima Folgen haben, wenn das Riet nämlich CO2 nicht länger speichern kann.

Schützenswerter CO2-Speicher

Das Amt für Umwelt gab deshalb eine Studie in Auftrag, um mehr über das im Boden gespeicherte CO2 zu erfahren. Die Kenntnis des Kohlenstoffgehalts in Böden ist eine zentrale Voraussetzung für einen verhältnismässigen und dennoch wirksamen Klima- und Bodenschutz im Sinne des Umweltschutzgesetzes, heisst es in einer Mitteilung des Umweltministeriums vom Freitag. Die Berner Fachhochschule führte vergangenen Winter in Zusammenarbeit mit dem Ingenieurbüro OePlan das Forschungsprojekt zur Erfassung der potenziellen CO2-Einsparleistung des Ruggeller Riets durch. Die Arbeiten fanden während der Vegetationsruhe statt.
Dabei wurden mehrere Bodenproben entnommen, die Aufschluss darüber geben, wie viel Kohlenstoff in den Böden im gegenwärtigen Zustand zukünftig in die Luft entweichen könnte, wenn keine Massnahmen zur Wiedervernässung getroffen werden.
Aus den gewonnenen Proben wurde die CO2-Einsparleistung des Ruggeller Riets berechnet. Die Menge an potenziell freisetzbarem CO2 im Naturschutzgebiet beträgt demnach ca. 95 000 Tonnen, was derzeit etwa der Hälfte der jährlichen Gesamtemissionen Liechtensteins entspricht. «Diese enorme CO2-Speicherfähigkeit zeigt angesichts des fortschreitenden Klimawandels den unschätzbaren Wert des Ruggeller Riets auf», wird Regierungschef-Stellvertreterin Sabine Monauni zitiert. «Dessen Erhalt und Förderung sind essenziell – für das Klima, die Biodiversität und als wichtiges Naherholungsgebiet für uns Menschen.» Die Daten zeigen gemäss Mitteilung, dass sich das Gebiet als langfristiges Klimaschutzprojekt im Inland eignet. «Im Fachbereich Klima erfolgen diesbezüglich weiterführende Abklärungen», teilte das Umweltministerium weiter mit.

Früher oder später droht CO2-Entweichung

Wie essenziell das Riet tatsächlich ist, daran lässt der Bericht des Amts für Umwelts keinen Zweifel. Allerdings seien die Bedingungen, unter denen das CO2 gespeichert wurde, heute nicht mehr gegeben. Wird der Zustand des Naturschutzgebietes nicht verbessert, hat dies gemäss Bericht enorme Folgen: «Diese Menge an CO2 wird im gegenwärtigen Zustand in Zukunft in die Atmosphäre entweichen.» Wann dies der Fall sein wird, lässt sich derzeit noch nicht abschätzen. Dafür wären weitere Probenentnahmen nötig.
Langfristig würde jedoch nur eine vollständige Wiedervernässung verhindern, dass das gespeicherte CO2 in die Atmosphäre freigesetzt wird. «Je früher dies geschieht, desto mehr CO2 würde dabei im Ruggeller Riet bleiben», zeigt der Bericht auf.
Aus diesem Grund läuft zurzeit ein Pilotprojekt, bei dem das Wasser an einem bestimmten Standort zurückgestaut wird – eine Vorreiterstudie für Flachmoore in der Region. Die Bauarbeiten sollten am 15. Juli starten, hiess es im April auf Anfrage des «Volksblatts». Allerdings kam es zu Verzögerungen. «Aufgrund des schlechten Wetters und des Biberstaudammes wurde mit dem Bau noch nicht begonnen», erklärte Heike Summer vom Amt für Umwelt auf Anfrage. Mit aussagekräftigen Resultaten sei aber ohnehin erst in ein paar Jahren zu rechnen, da die Erfolgskontrolle der Wiedervernässung über die Vegetation erfolgt – die langsam auf Veränderungen reagiert.

Wenig Freude bei den Landwirten

Der Bericht zeigt weiter auf, dass auch im angrenzenden intensiv landwirtschaftlich genutzten Gebiet Potenzial für weitere CO2-Einsparungen besteht. «Bei einer allfälligen Massnahme muss bedacht werden, dass eine Erhöhung des Grundwasserspiegels im Bereich des Naturschutzgebietes auch den Wasserhaushalt der angrenzenden Flächen beeinflussen wird», heisst es abschliessend.
Genau davor fürchten sich die Bauern, die die Flächen um das Naturschutzgebiet bewirtschaften. Sie wurden daher bereits aktiv und taten in den Gemeinderäten von Schellenberg und Ruggell ihre Sorgen kund. Der Ruggeller Gemeinderat beschloss denn auch einstimmig, dass das Amt für Umwelt das Risiko einer nicht gewollten Vernässung des Kulturlandes prüfen und bei dieser Prüfung die Befürchtungen der Landwirte berücksichtigen soll.